Dem regelmässigen Leser dieser Website mag es bisher entgangen sein, dass es ausser den sehr schreibfleissigen Damen und einer 7.Herrenmannschaft noch weitere aktive Balsaholzkünstler bei uns gibt. Wer also genug von Bratwürsten erfahren hat, dem möchte ich heute mal eine Geschichte von einer King Size Currywurst mit Goldstaubauflage erzählen. Doch vorher noch ein kleiner Rückblick auf den bisherigen Saisonverlauf der 4.Mannschaft, um die es hier gehen soll.
Die ersten sechs Saisonspiele sind eigentlich nicht weiter erwähnenswert. Die vier Siege liefen reibungslos mit 9:0, zweimal 9:1 und 9:3. Die beiden Niederlagen waren mit 9:4 und 9:1 auch nicht gerade prickelnd. Zum 9:0 bleibt vielleicht noch anzumerken, dass dieses unter Schonung unserer Nr.1 (noch, denn seine Zeit läuft ab) und unter Mitwirkung des bärenstarken Ersatzmannes Nico aus der 5. zustande kam.
In der vergangenen Woche ging es dann zum Auswärtsspiel nach Nusse (das liegt inmitten vom Nirgendwo, wie der Engländer sagt). Unser Mittelfeldwühler Brodi hatte sich mit Grippe abgemeldet und so musste wieder der oben bereits erwähnte Supermann aus der 5. mithelfen. Der Spielverlauf soll hier jetzt nicht allzu ausführlich dargelegt werden. Nico trug mit seinem Doppelgewinn und einem gewonnenen Einzel zum schönen 9:6 Auswärtssieg bei. Das Ungewöhnliche an diesem Spiel war aber nicht nur, dass es zum ersten Mal in dieser Saison knapp wurde, sondern dass wir von unseren neun gewonnenen Spielen 7 im fünften Satz gewonnen haben. So gab es am Ende des Abends zwei Gewinnermannschaften. Nach Spielen stand es nämlich 9:6 für uns, aber nach Sätzen hatte der Gastgeber mit 33:32 gewonnen. Komisch, dass die sich gar nicht so sehr darüber gefreut haben.
Nach diesem kurzen Vorgeplänkel kommen wir nun aber doch zum eigentlichen Anlass dieser Berichterstattung. Gestern Abend kam es in unserer Arena zum zweiten Mal in dieser Saison zum Duell Kaki gegen Siek. Die Vorzeichen waren ähnlich wie vor der Oberligabegegnung, Siek war ungeschlagener Tabellenführer und wir, wie oben angedeutet, die launische Diva der Liga. Da der Mittelfeldwühler beim Betriebssport die Kontrollettis von der Hochbahn weghauen sollte, setzten wir auch gegen Siek auf schlagkräftigen Ersatz aus der 5. Timo trieb sich gerade in der Halle rum und wurde sofort zwangsverpflichtet.
Es ging also los, wie es eben immer losgeht. Drei Doppel waren schnell gespielt, die Ausbeute blieb äusserst mager – 0:3, wobei unser Doppel 3 doch erheblichen Trainingsrückstand offenbarte. Im oberen Paarkreuz kam es zum Aufeinandertreffen von vier der mittelmässigsten Spieler der 2.Bezirksliga –zwei schnelle Niederlagen wurden eingefahren -> 0:5. Im mittleren Paarkreuz wurde es dann zum ersten Mal interessant aus unserer Sicht. Olli knöpfte sich den bis dahin ungeschlagenen Klaus Bergmann (ein alter Mann mit viel Gewicht) vor und schupfte den Ball so lange über die Schnur bis der arme Klaus im fünften Satz bei 8 entnervt aufgab. Olli, das war schon ´ne ziemlich starke Leistung. Leider ging die Tristesse nach diesem Lichtblick dann doch weiter. Unser bis dahin ebenfalls ungeschlagener ehemaliger Kisdorfwühler Sven verlor nach saumässigem Kampf im 5. die Kontrolle über das Spiel und musste dem Gegner gratulieren. Auch unser Youngster Robin hatte kein Glück an diesem Tag und verlor gegen den aus der Kreisliga eingeflogenen Johannes recht unspektakulär mit 1:3.
Sicherlich habt Ihr mitgerechnet – es stand zwischenzeitlich 1:7 und selbst Zocker-Rainbär hätte inzwischen keinen Pfifferling mehr auf uns gesetzt. Als Nr.2 habe ich mich schon mal an das erste Bier rangeschlichen, da ja eigentlich unser Ersatzmann Timo und der an diesem Abend auch nicht gerade überragende Toralf den Sack für die Gäste zumachen sollten.
Doch was nun passierte ist wahrlich erzählenswert. Der ob seiner unorthodoxen Spielweise mancherorts belächelte Ersatzmann Timo setzte zu einem wahren Siegeszug an. Zuerst holte er sich den Skalp der Nr.1 der Kreisligamannschaft der Sieker mit 16:14 im zweiten und jeweils 11:9 im vierten und fünften Satz. Die Halle (oder besser die, die drin waren) rieb sich verwundert die Augen. Das Geheimnis dieses Erfolges lag, wie sollte es anders sein, im professionellen Coaching von Sven, der Timo am besten kennt. Er sagte Timo einfach, dass dies gar kein Punktspiel sei und wir nur ein paar Kumpels zum Training eingeladen haben. Timo liess sich auch durch die Zähltafeln nicht ablenken und machte halt ein lockeres Trainingsspielchen mit dem kleinen Sieker.
Durch dieses Tischtenniswunder noch beeindruckt, gewannen Toralf und ich mal locker jeweils 3:0, um mal zu gucken, wie denn unser Team gegen das beste mittlere Paarkreuz der Liga in der zweiten Runde so aussieht. Olli, der an diesem Tag wirklich TT wie von einem anderen Stern (Doppel einmal ausgenommen) spielte, bezwang den bisher nur einmal besiegten Thomas Kerwitz diesmal nicht durch Einschlaftischtennis sondern man höre und staune durch richtig gute Bälle, die man in der Form von Olli zumindest in unserer Halle noch nie gesehen hat, im fünften zu neun. Jetzt kamen die beiden kurz zuvor erstmalig in dieser Saison besiegten Klaus und Sven in den Ring. Klaus wankte wie ein angeschlagener Boxer und musste sich tatsächlich von Sven eine K.O.-Niederlage in der dritten Runde abholen.
Es kam also tatsächlich auch noch zu einer zweiten Runde des an diesem Abend mit Abstand lustigsten Paarkreuzes (sorry Robin). Leider musste sich Robin gegen den durch die Niederlage gegen Timo böse angestachelten Sieker Youngster die zweite Niederlage an diesem Abend abholen, bevor unsere Deluxe-Currywurst wieder zum Angriff (zwar fünf Meter hinter dem Tisch, aber immerhin) gegen den mit jahrelanger Bezirksligaerfahrung ausgestatteten und auch sonst nicht unbedingt durch nervöses Nervenflattern auffälligen Johannes ins Horn blies. Timo machte es diesmal kurz und bündig und gewann mal eben 3:0, was Johannes, glaube ich, auch nach dem Spiel noch nicht so ganz verstanden hatte, zumindest hat er seit diesem Spiel einen leichten Silberblick.
Es kam also unglaublicherweise nach unserem 1:7 Start dann doch noch zu einem Enddoppel, in das unser Doppelstratege an diesem Tag zur Abwechslung einmal Robin und mich gesetzt hatte. Wir hatten es nicht nur mit dem besten Doppel der 2.Bezirksliga sondern auch mit mindestens 380 kg Lebendgewicht zu tun. Genauso ging die Sache dann auch los – nach gefühlten zweieinhalb Minuten stand es 0:2 Sätze. Doch plötzlich flutschte die Sache, nachdem mir das Beratungsteam Mannschaftskeile angedroht hatte, wenn ich noch einmal einen meiner aus meiner Sicht superguten (andere finden meine Angriffsbälle nicht so effektiv) Kamikaze-Schläge ansetzen sollte. In den Sätzen drei bis fünf überliess ich also Robin das Feld und ohne mein Dazutun scheuchte er die beiden Dicken dann auch so durch die Halle, dass wir zum krönenden Abschluss also auch noch diese Hürde aus dem Weg räumen konnten. Robin, das war ein supergutes Doppel von Dir.
Ähnlich wie unsere Jungs aus der 1. haben jetzt auch wir somit ein denkwürdiges Spiel gegen Siek hingelegt. Die überaus sympathischen Sieker (vor allem Marco Gohl, der uns am Ende noch das ganze Bier weggesoffen hat und von seiner im achten Monat schwangeren Frau, mit der er nicht verheiratet ist, erzählt hat) sind jetzt zwar immer noch ungeschlagener Tabellenführer. Wir haben aber zumindest am Ende doch noch ein wenig Spass gehabt und den Gästen einen Anpfiff ihres gestern durch Dünnpfiff verhinderten Käptns Zille eingebrockt.

















