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Heinz Pohlmann kann’s einfach nicht lassen

Der 80-Jährige spielt seit 1949 Tischtennis bei der Kaltenkirchener Turnerschaft. Das Montagstraining im Gymnasium Flottkamp ist für ihn nach wie vor ein Pflichttermin.

Wenn Heinz Pohlmann in seinem Einfamilienhaus in Kisdorf die Tischtennis-Utensilien zusammensucht und in die Sporttasche packt, sich anschließend von einem Vereinskollegen abholen und in die Sporthalle des Gymnasiums Flottkamp in Kaltenkirchen chauffieren lässt, weiß Ehefrau Lieselore: Das Abendbrot muss erst um 21 Uhr zubereitet sein.

Immer montags absolviert der 80-Jährige, der seit dem 25. September 1948 Mitglied der Kaltenkirchener Turnerschaft ist und seit 1949 Tischtennis spielt, seine wöchentliche Trainingseinheit. Pünktlich ab 19.30 Uhr, mit der ihm eigenen Disziplin, mit Ehrgeiz und mit großer Leidenschaft, knapp eineinhalb Stunden lang. Anschließend geht’s mit gesundem Appetit zurück nach Hause. „Die Bewegung kommt meiner Gesundheit sehr zugute“, betont Pohlmann. Ohne ihn, das ist unbestritten, wäre die Tischtennissparte der Kaltenkirchener TS längst nicht das, was sie heute ist. 1988 übernahm Heinz Pohlmann für einen längeren Zeitraum den Posten des Abteilungschefs und war später unter anderem Leiter des Fördervereins für den Leistungsbereich.

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Tischtennisspieler Heinz Pohlmann ist seit 66 Jahren Vereinsmitglied der Kaltenkirchener TS. Er pflegt zudem einen engen Kontakt zur Altliga-Fußballmannschaft der KT

Damals legten die Clubverantwortlichen die Basis für die großen Erfolge der vergangenen 15 Jahre, insbesondere die Glanzzeit der ersten Damenmannschaft in der 2. Bundesliga, sowie die Ausnahmestellung der KT im Kreis Segeberg. Pohlmanns Markenzeichen: Sein großes persönliches Engagement, seine Hilfsbereitschaft, sein gutes Verhältnis zu den Vereinskollegen und der überaus korrekte Umgang mit Geld. Diesen hat er von der Pike auf gelernt. Sein Vater war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Filialleiter der damaligen Kreissparkasse Segeberg in Kaltenkirchen, er selbst machte nach der Ausbildung zum Bankkaufmann beim Autohaus Wessel in Kisdorf Karriere. 1959 stieg er dort als Buchhalter ein, Mitte der 60er-Jahre wurde er Geschäftsführer und blieb bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 auf dem verantwortungsvollen Posten. Der Kontakt zur Firma ist nie abgerissen: Heinz Pohlmann schaut täglich um 17.30 Uhr im Betrieb vorbei. „Aber keinesfalls zur Kontrolle, sondern um Zeitungen zu tauschen. Ich lese das ,Handelsblatt‘, meine früheren Kollegen haben dagegen ,Die Welt‘ abonniert“, sagt er.

Das sportliche Geschehen bei der Kaltenkirchener TS verfolgt der Tischtennis-Veteran, der 1989 Kreismeister der Senioren II im Einzel und Doppel war und 2006 mit der Senioren-60-Mannschaft der KT Schleswig-Holstein-Champion sowie norddeutscher Vizemeister wurde, mit großer Aufmerksamkeit, aber auch ein wenig Sorge: „Es wird immer schwieriger, das nötige Geld für die überregionalen Wettkämpfe unserer Mannschaften zusammenzukratzen und beispielsweise Leistungsträgerinnen wie Katalin Jedtke, die Nummer eins des Regionalliga-Damenteams, im Verein zu halten. Sie wohnt in Berlin, und die Fahrten zu den Punktspielen müssen schließlich bezahlt werden.“

Heinz Pohlmann, der wie eh und je mit einem Barna-Brett und kurzen Noppen-Außen-Belägen aufschlägt, hat den rasanten Wandel der Sportart Tischtennis hautnah miterlebt. Die Entwicklung des Schlägermaterials hin zu Belägen mit Katapulteffekt, die Defensivspezialisten wie ihm das Leben zusehends schwerer machen, die Einführung größerer Bälle, die Veränderung der Zählweise. „Spaß habe ich aber immer noch“, sagt er. Am Punktspielbetrieb nimmt er indes nicht mehr teil. „Ich habe der siebten Herrenmannschaft jedoch zugesagt, dass ich einspringe, wenn es personell mal richtig eng wird. Bisher war das allerdings nicht der Fall.“

Als aktiver Sportler hat sich Pohlmann aber nicht nur auf Tischtennis konzentriert, er ist immer zweigleisig gefahren. Der begeisterte Fußballer kickte unter anderem von 1955 bis 1956 als linker und rechter Läufer im ersten Herrenteam der Kaltenkirchener TS und nahm bis vor zwei Jahren regelmäßig am Training der 1977 gegründeten Altliga-Mannschaft des Vereins teil. Insgeheim träumt er sogar von einem verwegenen Comeback: „Es würde mich schon reizen, mit 80 noch einmal anzufangen…“

Quelle: Hamburger Abendblatt vom 12.04.2014; Autor: Frank Best

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